Personalmarketing absurd – Folge 1: Rap

Manchmal ist der Mangel an Personal offenbar schon so heftig, dass es manchen Firmen völlig egal ist, wie sehr sie sich blamieren. Hauptsache, es fällt irgendwie auf.  Da ist jedes Mittel recht: Gewalt, Diskriminierung, Beschimpfung, egal. Frauen werden zum Affen gemacht, egal. Männer, die in den Videos mitmachen durften, trauen sich, wenn Sie einmal den Kopf anschalten, nie wieder auf die Straße. Egal. PKW´s werden gerammt und man ist dabei der „King“. Egal. Frauen werden mit Gewalt in den Bus und aus dem Bus gezerrt. Egal.

Darf ich Ihnen ein paar Beispiele zeigen? Aber Achtung: Für Jugendliche unter 18 Jahren nicht geeignet (obwohl man sie wohl gewinnen will).  Enthält Szenen von Gewalt. Und: Von Fassungslosigkeit bis Mitleid kann die ganze Range von Gefühlen ausgelöst werden.

Als Ergebnis eines ad absurdum geführten Personalmarketings ist das erste Rap-Video im Vergleich zum Nachfolgenden geradezu niedlich, friedlich und frauenfreundlich:

1 Mc Donalds

„Sei kein Labersack – Du bist der krasse an der Kasse“ – Das kommt dabei heraus, wenn man zwar Geld in die Hand nimmt, aber Agenturen beauftragt, die von Personal keine Ahnung  haben. Man kann sich richtig vorstellen, wie die Werber zusammensitzen und sagen „Hey, Yo! Wir sind zwar über 40ig, denken aber zu wissen, wie die Jugend heute so drauf ist. Richtige Checker lieben Rap, also machen wir ein Rap-Video, das die Charts erklimmen wird! Frag´doch mal in der Küche, wer Bock drauf hat. Aah, der Herr Masselwitz (Name erfunden)! Sehr gut! Das wird richtig authentisch, wenn er mit leichtem Bauchansatz den Slum-Rap er markiert. Und von den Frauen? Keine dabei? Zu peinlich? Ach, die trauen sich mal wieder nicht. Also machen wir auf Gangster und lassen Herrn Müller noch einen ordentlichen Backspin machen, damit das Ganze wonderful ´rüberkommt.“

mcdonalds rap video

Quelle: Screenshot,

Himmel noch mal, jeder weiß doch, dass das Arbeiten bei McDonalds kein Rap ist, dass es nicht hip ist der „Krasse an der Kasse“ zu sein. Jeder weiß, dass man nach der Schicht nach Pommes riecht und die Freundin/der Freund darauf nicht abfährt. Die einzige Botschaft, die hier ´rüberkommt ist: Wer sich davon angesprochen fühlt, hat den Job wirklich verdient.

 

2 VAG Nürnberg – Fremdschämen und Gewalt inklusive

Eigentlich per Zufall bin ich auf dieses Video gestoßen  am Anfang kam nur das Fremdschämen. Später dann…

Um die Fassungslosigkeit einmal zu dokumentieren, die keine passenden Worte findet außer vielleicht „Gewaltverherrlichung“ stellt man am Besten das Anforderungsprofil, das für einen Busfahrer die Einstellungskriterien aufzeigt, den Bildern und Texten im Video gegenüber:

1 Profil / Video

Sie stehen hinter der VAG und unseren Leistungen.

„Und solltest Du Dich auf die Schussssss-Seite stellen siehst Du die kleinen Pisser an den Bus-Halte-Stellen…“

VAG Nürnberg

Die „Pisser an den Bushaltestellen“. Quelle:Screenshot,

 

2 Profil / Video

Sie besitzen einen Führerschein der Klasse D mit möglichst mehrjähriger Fahrpraxis

„Fahr´über Rot und fick dich von der Strasse, aha“

vag2

Quelle: Screenshot, Bus rammt PKW

 

3 Profil/Video

Sie bewahren einen kühlen Kopf – auch wenn es mal rund geht

„..Dann werd ich Dir den Schaltknüppel HA! bis zum Anschlag in den Hals drücken..“

„…wir brechen Kiefer und Nase … Du bist so dermaßen entstellt, Junge, das biegt man nicht gerade“

vag3

Quelle: Männer zerren eine Frau mit Gewalt in den Bus. Screenshot, Min 2:51

 

3 Profil/Video

Sie haben sehr gute Deutschkenntnisse und ein gepflegtes Auftreten

„Vollbremsung! Und die Oma klebt an der Frontscheibe ..stinkende Sitze ..für Blinde und Krüppel..“

vag4

Quelle: Screenshot. Gepflegtes Äußeres.

Wer weitere Tipps benötigt, wie man sich als KING! fühlt weil wohl vieles im Leben schief gelaufen ist und/oder indem man direkte Gewalt gegen andere Verkehrsteilnehmer , gerne auch mal gegenüber Frauen offensichtlich ohne Strafgefährdung durchführen kann sollte – nein, muss! – sich bewerben.

Und, hej, yo! Du, vielleicht wäre es besser, wenn statt schlechtem Rap und verzweifelte bis bemitleidenswerte Versuche, Mitarbeiter und, ach ja, da war doch was, Mitarbeiterinnen! zu gewinnen einfach mal das Geld nicht in imagefeindliche Videos, sondern in die Arbeitsbedingungen und Gehälter gepimpt werden, um die Beschäftigten nicht als gedisste Opfa dastehen zu lassen! Sonst ist Deine Cred derbe in A..

Deine Bitch

Silke Wöhrmann

 

 

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